Nicht jede Fellnase spielt gerne mit Fremden

Wir kennen diese Aussage alle. „Hunde brauchen unbedingt regelmäßigen Kontakt zu Artgenossen und das gemeinsame Spiel“. Im Grunde ist dieser Kontakt tatsächlich sehr wichtig für eine gute Sozialisierung und Auslastung. Als Hundehalter obliegt dir jedoch die Verantwortung für die Art des Kontakts. Du solltest also schauen, dass dein Hund sich beim Zusammensein mit fremden Hunden gut fühlt. Schließlich soll er diese Kontakte möglichst als angenehm wahrnehmen.

Nicht jeder Hund fühlt sich in Gegenwart anderer Hunde pudelwohl und möchte unbedingt sofort mit dem Spiel loslegen. Kommt es zum Spiel zwischen den Hunden, muss immer ein Blick darauf gelegt werden, ob dieses Spiel wirklich Spaß bedeutet. Oft werden Konflikte oder Unsicherheiten übersehen. Mobbing oder Flucht wird mit einem spaßigen Jagdspiel verwechselt.

Hundespiel
Hunde im Spiel

Konflikte werden mit dem Satz „Das regeln die unter sich“ abgetan. Bei diesem Mythos ist immer Vorsicht geboten. Kleine Konflikte gehören zur hündischen Kommunikation dazu. Unschön wird es aber, wenn sich ein Hund nicht gegen seinen Kontrahenten wehren kann. Ignorierst du deinen Hund, wenn er Schutz bei dir sucht kann das zu einem massiven Schaden in der Mensch-Hund-Bindung kommen. Lässt du deinen Raufer immer gewähren, können sich Verhaltensweisen etablieren. Diese könnten auch zukünftig immer wieder zu Ärger oder gar zu Beißereien mit fremden Hunden führen. Über längere Zeit könnten sich Verhaltensprobleme in Bezug auf Hundebegegnungen entwickeln. Du solltest also ganz genau auf die Qualität des „Spiels“ achten und die Hunde deuten können. Auf Aussagen wie beispielsweise „Der tut nix“ oder „Der will nur spielen“ solltest du nicht blind vertrauen.

Beispiel: Die Hundewiese

Für befreundete oder bekannte Hunde eignet sich die Hundewiese gut, um gemeinsam zu spielen, toben und rennen. Doch nicht jede Fellnase ist hier gerne mit von der Partie. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe:

  • es treffen viele unterschiedlich große Hunde aufeinander. Die kleinen Hunde fühlen sich oft unwohl in Gegenwart von einigen besonders großen Hunden.
  • Unterschiedlichste Charaktere sind in der Gruppe zu finden, wie zum Beispiel:
    • pubertierende Raufbolde
    • betagte Senioren
    • läufige Hündinnen
    • extrem ängstliche oder zurückhaltende Hunde
    • aggressive/pöbelnde Hunde
    • hyperaktiven Wirbelwinde
  • einige Hunde sind kaum sozialisiert und kennen den „Hundeknigge“ nicht. Das kann zu Missverständnissen führen.

Stellen wir uns mal vor, dein Hund ist eher von der ängstlichen Sorte. Er braucht ein wenig Zeit, bis er auftaut. Nun stehst du mit deinem Hund an der Hundewiese und überlegst, ob auch du deinen Hund in die Hundegruppe schicken solltest. Wichtig ist, dass du ganz genau auf die Körpersprache deines Hundes achtest. Ist er neugierig? Ist er nervös? Oder zeigt er Meideverhalten und schon die Nähe zu der großen Gruppe macht ihm Angst? Zeigt dein Hund Tendenzen, lieber seinen eigenen Weg gehen zu wollen? Bemerkst du diese Anzeichen, gehe unbedingt auf deinen Hund ein. Die bunt gemischte Gruppe ist augenscheinlich zu viel für deinen Hund und es könnte ihn überfordern. Du solltest deine Fellnase in dieser stressigen Situation nicht auf die Hundewiese schicken. Zu denken „das machen ja alle so, das muss man so machen“ ist hier nicht angebracht. Unter diesen Umständen hätte dein Hund womöglich kein positives Nutzen von der Zeit auf der Hundewiese.

Natürlich muss dein Hund deshalb nicht gänzlich auf Kontakt zu anderen Hunden verzichten. Ein gemeinsamer Spaziergang mit befreundeten Mensch-Hund-Teams wäre eine tolle Alternative. Die Hunde können ganz ohne Druck und Zwang Kontakt aufnehmen. Du wirst schnell merken, ob dein Hund vielleicht doch ganz gerne spielen möchte. Dein Hund kann sich dadurch in seinem eigenen Tempo an die anderen Hunde herantasten. Wer weiß, vielleicht ergibt sich sogar ein Spiel unter Artgenossen.

Die Hundebegegnungen

Die zufälligen Begegnungen mit anderen Mensch-Hund-Teams ist ein sehr umfangreiches Thema. Als Hundehalter wird man mit vielen Philosophien, Tipps und Tricks überhäuft. Soll man die Hunde mal „Hallo“ sagen lassen, oder nicht? Mit Sicherheit sollte dem Hund immer mal wieder eine Kontaktaufnahme ermöglicht werden, sofern er das möchte. Es gibt Hunde, welche einfach keinen Kontakt an der Leine wünschen. Sie könnten schlechte Erfahrungen gemacht haben. Einige Hunde haben aufgrund ihres Alters kleine Wehwehchen. Hunde können aus verschiedensten Gründen unverträglich sein.

Auch das sollten wir akzeptieren und den Hund nicht in eine für ihn ausweglose Situation zwingen.

Und wie sieht es mit Menschen aus?

Auch das erleben die meisten Hundehalter immer wieder: „Darf ich deinen Hund mal streicheln?“ oder „Darf ich mit deinem Hund mal spielen?“. Es gibt sehr aufgeschlossene Hunde, welche unterwegs gerne ein paar Streicheleinheiten abstauben. Doch es gibt auch das Gegenteil. Hunde, welche sich unwohl fühlen, wenn ihnen Fremde zu nahe kommen. Vielleicht zeigen sie das auch ganz deutlich und weichen zurück. Einige Hunde knurren ihren Unmut hinaus. Selbstverständlich sollten wir auch das akzeptieren und die Fremden höflich darum bitten ein wenig Abstand zu halten.

Hund bellt

Übrigens: Knurrt dein Hund in einer solchen Situation, solltest du ihn auf keinen Fall dafür bestrafen. Das Knurren zählt zum normalen Kommunikationsrepertoire eines jeden Hundes. Er drückt damit lediglich aus, dass er gerade nicht angefasst werden möchte. Würdest du deinen Hund für das Knurren bestrafen, könnte er eine andere Strategie wählen. Diese Strategie könnte beispielsweise das Beißen sein.

Fazit

Das Spielen unter Hunden klingt für Hundehalter immer erst mal ganz toll. Eine super Idee, um dem eigenen Hund die so wichtigen Kontakte mit Artgenossen zu ermöglichen. ABER: Ob diese Kontakte tatsächlich wertvoll und positiv sind, entscheidet der Hund. Das können und sollten wir unserem Hund nicht aufzwingen. Es kommt hier auf die Qualität der Spiele mit anderen Hunden an, nicht auf die Quantität.

Die wichtigsten Tools für dich als Hundehalter sind die richtige Wahrnehmung und das entsprechende Handeln. Bei Bedarf solltest du immer eingreifen um deinen, oder auch andere Hunde zu schützen. Wünscht dein Hund kein Spiel mit anderen Hunden, dann akzeptiere seine Entscheidung. Achtsamkeit und Verständnis müssen unbedingt im Vordergrund stehen, damit sich dein Hund sich fühlt. Dann behält dein Mensch-Hund-Team eure gemeinsamen Ausflüge positiv in Erinnerung.

Wie gestaltest du die Kontakte für deinen Hund? Verrate es uns in den Kommentaren!

Eine Idee zu “Nicht jede Fellnase spielt gerne mit Fremden

  1. Karin sagt:

    Meinen 5-jährigen Labradorrüde Jack habe ich aus dem Tierschutz. Er hatte in eineinhalb Jahren schon dreimal den Halter gewechselt. Die bsiherigen Besitzer haben sein Wesen total falsch eingeschätzt und ihn völlig unterfordert. So wurde er als ungestüm und schweirig beschrtieben. Anfangs war Jack sehr unsicher, aber mit Geduld, viel Zuneigung und vor allem mit Beschäftigung,. geistig wie körperlich, ist aus ihm ein Traumhund geworden. Er zeigt ein super Sozialverhältnis anderen Hunden gegenüber. Wobei er andere Hunde nicht unbedingt braucht, da er sehr auf Menschen, insbesondere auf seine Familienmitglieder, fixiert ist. Auch kleine Kinder liebt er und behandelt sie sehr vorsichtig.Toll findet Jack, wenn er auf Spaziergängen spielerische Suchaufgaben bekommt. Da er rassespezifisch ein Apportierhund ist, trägt er fast immer etwas im Fang. Andere Rüden mögen ihn sehr, weil er ihnen gegenüber sehr freundlich aber auch zurückhaltend ist. Einige Hündinnen lehnen ihn ab, mag es an seiner Kastration liegen oder weil er ein schwarzfelliger Hund ist. Er ignoriert sie dann. Richtig toben kann er am besten mit seinem Freund, einem Golden Retriever und einer Australian Shepherd Hündin. Da er in den Vorderpfötchen schon in jungen Jahren schmerzhafte Arthrose hat, die durch Unterstützung von Gelenk Fit und mit Goldakupunktur erfolgreich behandelt wurde, spielt er jetzt wieder öfter und läuft auch zügiger. Ich lasse ihn überwiegend leinenfrei laufen. denn dann kann er selber entscheiden, ob er einen Hund, den wir begegnen, begrüssen will oder nicht. Allerdings scheinen Schäferhunde nicht so sein Ding zu sein. Die bellt er an, ohne dabei aggressiv zu sein. Hier rufe ich ihn natürlich sofort bei Fuss und halte ihn im engen Einwirkungsbereich. Aufgrund meiner Erfahrungen mit den Vorgängern von Jack, die unterschiedlicher Rasse und teilweise auch tolle Mischlinge waren, kann ich zum Thema „Umgang mit anderen Hunde“ nur sagen, dass es wichtig ist, dass man seinen Vierbeiner mit Artgenossen zusammen kommen lässt, wobei man als Halter immer abwägen sollte, ob die Hunde eine freundliche Körpersprache zeigen. Wichtig finde ich immer, wenn man seinen eigenen Hund lesen kann, d.h. in speziellen Situationen, die brenzlig sein können, eine richtige Einschätzung hat, inwieweit man engen Kontakt zu anderen zulässt Grundsätzlich finde ich es wichtig, dass Hunde lernen, sich mit anderen zu verstehen, gut gehorchen und sich durch Spielen austoben können. Sicherheit und Coolness müssen immer vom Besitzer ausgehen, so dass der Hund spürt, er braucht sein Frauchen/Herrchen nicht zu beschützen. Wenn Hunde grundsätzlich unverträglich sind udn evtl. in der Vergangenheit negative Erfahrungen gemacht haben, empfehle ich den Besuch einer gewaltfreien Hundeschule, wo sie auf artgerechte Weise über die Körpersprache lernen können, wie der andere Hund „tickt“. Am wichtigsten finde ich, wenn die Bindung zwischen Hund und Bezugsperson sehr eng ist, der Halter sich nicht unsicher verhält und auf Spaziergängen der Blickkontakt von beiden Seiten vorhanden ist. Denn Hunde orientieren sich vorwiegend am Verhalten und Mimik seiner Menschen.

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