So findest du heraus, ob dein alter Hund nicht mehr gut hört

„Sag mal, bist du taub?“ Diese Frage stellt sich mir in den letzten Monaten immer häufiger, wenn ich meine Hundeoma Jule rufe. Auf meine laute Ansprache zuckt sie nicht einmal mit ihren Schlappohren. Keine Reaktion, nichts. Deshalb möchte ich wissen, ob sie wirklich schwerhörig oder einfach dickköpfig ist.

Aber wie findest du heraus, ob dein alter Hund nicht mehr gut hört? Das und noch mehr verrate ich dir in diesem Artikel.

Hörverlust und Taubheit bei alten Hunden

Jule hatte in jungen Jahren ein sehr feines Gehör. Wenn drei Kilometer entfernt etwas Ungewöhnliches zu hören war, hat sie es registriert. Jetzt ist sie fast 15 Jahre alt und ich habe das Gefühl, dass sie in den letzten 12 Monaten schwerhörig geworden ist. Möchte ich abends mit ihr nochmal vor die Türe gehen, muss ich zu ihr hingehen und sie anstupsen. Auf mein Rufen oder den Hausschlüssel reagiert sie nicht mehr.

Woran liegt es, dass ein Hund taub oder schwerhörig wird?

So ein Hundeohr ist ein echtes Kunstwerk der Natur. Sein Aufbau aus kleinen Knochen, Gewebe, Nerven und Knorpel ist sehr komplex. Wird einer dieser Bereiche beschädigt, kann dies gravierende Folgen wie Schwerhörigkeit bis hin zu Taubheit nach sich ziehen.

Die Gründe für einen Hörverlust sind vielfältig:

  • chronische Ohrentzündungen
  • Ohrmilben
  • Tumorerkrankungen
  • Verletzungen des Trommelfells, des Innen- oder Mittelohres
  • Erkrankungen des Gehirns
  • angeborene Taubheit

Das klingt jetzt sehr beängstigend, ich weiß. Doch der häufigste Grund, weshalb ein Hund nicht mehr gut hört, ist sein Alter. Bei einem Hundesenior nehmen die Seh-, aber auch die Hörleistung immer mehr ab. Nicht jeder alte Vierbeiner wird zwangsläufig taub, doch eine altersbedingte Schwerhörigkeit ist nichts Ungewöhnliches.

So stellst du fest, ob dein alter Hund nicht mehr gut hört

Du vermutest, dass die Ohren deines Fellfreundes nachlassen? Dann solltest du dies unbedingt überprüfen. Sonst kann es dir passieren, dass du ihm unterstellst, stur zu sein. Doch damit tust du ihm Unrecht.

Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass dein Hund nicht mehr gut hört:

  • Er bekommt es nicht mit, wenn du mit ihm rausgehen möchtest und bleibt einfach liegen.
  • Er reagiert nicht darauf, wenn du ihn rufst oder es an der Tür klingelt.
  • Er erschreckt sich, wenn du ihn anfasst, obwohl du vorher mit ihm gesprochen hast.

Ein Punkt oder alle treffen auf deinen Vierbeiner zu? Dann solltest du genauer testen, wie es um sein Hörvermögen steht. Dazu kannst du Folgendes machen. Stelle dich in seine Nähe und klatsche in die Hände. Wichtig ist, dass dich dein Hund nicht sehen kann, denn er soll ja rein auf das Geräusch reagieren.

  • Dreht er sich direkt zu dir um?
    Sehr gut, dann scheinen seine Ohren in Ordnung zu sein.
  • Schaut er, aus welcher Richtung das Geräusch gekommen ist?
    In diesem Fall scheint sein Gehör nachzulassen. Er nimmt das Klatschen zwar wahr, kann es aber keiner Richtung zuordnen.
  • Zeigt er keine Reaktion?
    Die Ohren deines Vierbeines scheinen nicht mehr gut zu funktionieren.

Ebenfalls hilfreich ist dieser Test. Führe ihn durch, wenn dein Hund entspannt auf seinem Platz liegt, aber nicht tief schläft. Mache nun ein Geräusch, auf das dein Hund bisher zuverlässig reagiert hat. Vielleicht ist es das Klappern des Futternapfes? Das Klirren des Schlüsselbundes? Das Öffnen der Tür zur Vorratskammer?

Auch hier gibt es drei Möglichkeiten, wie er darauf reagiert.

  1. Er kommt wie gewohnt sofort angelaufen. Dann ist alles in Ordnung.
  2. Es braucht eine Weile, bis er reagiert und zu dir kommt. Das spricht für eine nachlassende Hörleistung.
  3. Es erfolgt keine Reaktion. Er scheint nicht mehr gut oder gar nicht hören zu können.

Du hast durch die Tests den Eindruck gewonnen, dass dein alter Hund nicht mehr gut hört? Dann kannst du bei einem Tierarzt genauere Untersuchungen durchführen lassen. So weißt du sicher, ob es eine altersbedingte Hörschwäche ist oder ob eine Erkrankung zugrunde liegt, die behandelt werden muss.

Tipps für das Zusammenleben mit einem tauben Hund

Wenn dein alter Hund nicht mehr gut hört, ist das kein Weltuntergang. Mit ein paar einfachen Änderungen im Alltag kannst du dir und ihm helfen, gut damit zurechtzukommen.

Besorge dir eine laute Pfeife, die du mit einer tollen Belohnung verknüpfst. Dieses schrille Geräusch wird von einem schwerhörigen Hund besser wahrgenommen als deine Stimme. So kannst du deinen alten Vierbeiner bei Spaziergängen zu dir zurückrufen bzw. zurückpfeifen.

Eine andere Möglichkeit ist ein Vibrationshalsband, das du über eine Fernsteuerung bedienst. Wie bei der Pfeife wird das Vibrieren mit einer super Belohnung verknüpft. Dein alter Hund lernt dabei, sich zu dir umzudrehen und zu dir zu kommen.

Gelenke Quiz
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Kann dein Fellfreund noch gut sehen?
Dann solltest du vermehrt deine Körpersprache nutzen, um mit ihm zu kommunizieren. Locke ihn mit deiner Hand zu dir und mache eindeutige Handzeichen, um ihn zum Sitz oder Platz zu animieren.

Behalte deinen alten Vierbeiner bei euren Spaziergängen grundsätzlich gut im Blick und schätze mögliche Gefahren ab. Von hinten kommende Radfahrer, Jogger, Mopeds oder sogar Autos hört er unter Umständen nicht mehr. Entsprechend schreckhaft kann er darauf reagieren und im schlimmsten Fall einen Unfall verursachen. Deine Aufgabe ist es, für die Sicherheit deines Hundes und deiner Mitmenschen zu sorgen. Führe ihn deshalb am besten an der Leine oder an einer Schleppleine.

Tauber Hund – na und?

Mit diesen Tipps kommen du und dein schwerhöriger Hund gut durch den Alltag. Doch am wichtigsten ist dieser Punkt: sei geduldig und habe Verständnis. Dein alter Hund ignoriert dich nicht und will dich mit seinem Verhalten auch nicht ärgern. Er kann einfach nicht mehr gut hören.

Es ist der natürliche Lauf der Dinge, dass er sich im Alter verändert. Was er nun ganz besonders braucht, sind deine Fürsorge und Liebe. Nimm seine Schwerhörigkeit mit einer Portion Humor und Gelassenheit, damit machst du euch beiden das Zusammenleben leichter.

Ist dein Hund im Alter auch schwerhörig geworden? Wie gehst du damit um?

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