Kreuzbandriss beim Hund

Ein Riss des vorderen Kreuzbandes ist eine der häufigsten orthopädischen Krankheiten unserer treuen Begleiter. Der Kreuzbandriss kann ohne Operation im Normalfall nicht behandelt werden. Dank moderner Behandlungsmethoden tobt dein Liebling nach ein paar Monaten wieder putzmunter durch die Wiesen.

Ursachen: Wie ein Kreuzbandriss entsteht

In der Mitte des Kniegelenks befinden sich zwei Kreuzbänder: das vordere und das hintere. Sie haben einige wichtige Aufgaben. Sie sorgen dafür, dass sich Ober- und Unterschenkel nicht verschieben, verhindern ein Überstrecken des Knies und stabilisieren den Unterschenkel.

Das vordere Kreuzband wird bei allen Bewegungen stärker belastet, weshalb im Normalfall nur dieses reißt.

Bei uns Menschen entsteht ein Kreuzbandriss oft durch ein Trauma wie einen Unfall oder eine Sportverletzung. Eine zu schnelle Bremsung und Wendung beim Fußball oder ein Sturz beim Skifahren sind Klassiker.

Das ist bei unseren lieben Hunden anders. Ein Kreuzbandriss entsteht selten durch einen Unfall, sondern ist eine degenerative Erkrankung: Ein Kreuzbandriss beginnt meistens mit kleinen Rissen oder einer Teilruptur. Das Band reißt, weil es vorher über Monate und Jahre zu viel beansprucht wurde und es langsam ausfranst.

Was genau hinter der Degeneration steckt, ist nicht ganz geklärt. Experten vermuten, dass Fehlstellungen, anatomische Besonderheiten wie eine zu steile Hinterhand, Übergewicht, Durchblutungsstörungen des Kreuzbandes und Erkrankungen des Kniegelenks als Hauptursachen gelten. Große, schwere Rassen sind öfter betroffen.

Vorbeugen lässt sich ein Kreuzbandriss nur bedingt. Ein gesundes Gewicht und kein Spitzensport in sehr jungen oder alten Jahren helfen gegen eine Überlastung des Kreuzbandes.

Symptome: So erkennst du einen Kreuzbandriss

Ein paar Symptome sind typisch für einen Kreuzbandriss.

  • Lahmheit: Der Grad der Lahmheit hängt beim Kreuzbandriss davon ab, ob es ganz oder teilweise gerissen ist und ob der Meniskus betroffen ist. Ist das Kreuzband komplett gerissen, lahmt deine Fellnase deutlich stärker als bei einer Teilruptur. Sie belastet das Bein kaum (Zehenspitzengang) oder gar nicht (Dreibeingang) und will das Kniegelenk nicht strecken.
  • Im Stehen: Dein Liebling berührt den Boden nur mit der Fußspitze.
  • Im Sitzen: Deine Fellnase streckt das betroffene Bein im Sitzen von sich weg.
  • Warm und geschwollen: Außerdem fühlt sich das Knie warm und geschwollen an.

Warte nicht zu lange mit einem Besuch beim Tierarzt!

Lahmt dein lieber Hund drei Tage lang unerklärlich, wird es Zeit für den Arzt. Er leidet an Schmerzen und jeder weitere Tag macht Folgeerkrankungen wie Arthrose schlimmer. Da es sich um eine degenerative Krankheit handelt, kann es sein, dass nach dem Kreuzbandriss an einem Bein auch das Band des zweiten Beins reißt.

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Die unterschiedlichen Stadien des Kreuzbandrisses

Diagnose: Wie der Kreuzbandriss entdeckt wird

Zuerst sieht sich der Tierarzt das Gangbild deiner Fellnase an. Danach haben sich zwei Tests bewährt, um den vermuteten Kreuzbandriss zu diagnostizieren.

  • Schubladentest: Dabei liegt der Hund auf der Seite. Der Tierarzt umfasst das Bein ober- und unterhalb des Knies. Lassen sich Ober- und Unterschenkel gegeneinander verschieben, ist das Kreuzband gerissen.
  • Tibiakompressionstest: Der Tierarzt umfasst den Oberschenkel und beugt bei gestrecktem Kniegelenk das Sprunggelenk. Das Kreuzband ist gerissen, wenn sich der Kopf des Schienbeins nach vorne schieben lässt.

Bei einem Teilriss reichen diese Methoden nicht immer aus. Oft sind Bilder nötig (Röntgen, MRT, Arthroskopie), um das angerissene Kreuzband zu diagnostizieren.

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Behandlung: So wird der Kreuzbandriss behandelt

Ein Kreuzbandriss kommt im Normalfall nicht ohne Operation aus, weil das Kniegelenk sonst dauerhaft Schaden nimmt. Der Riss des Kreuzbandes ist eine ernste Verletzung, die für deinen lieben Hund schmerzhaft ist. Deshalb sollten hier keine konservativen Methoden angewendet werden.

Es gibt mehrere Wege, um den Kreuzbandriss zu behandeln. Welche Operation sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Größe deines Lieblings ab. Die Methoden werden in zwei Bereiche eingeteilt:

Kreuzband ersetzen

Dabei wird das Kreuzband künstlich oder durch körpereigenes Gewebe ersetzt. Diese Methode wird vor allem bei kleinen Hunden angewendet.

Biomechanik des Knies verändern

Das Kreuzband wird nicht ersetzt, sondern umliegende Körperteile werden so verändert, dass kein Kreuzband mehr nötig ist. Das hat den Vorteil, dass es nicht mehr reißen kann.

Zwei Verfahren haben sich bewährt, vor allem für große Hunde: Tibia Plateau Leveling Osteotomy (TPLO) und Tibia Tuberosity Advancement (TTA). Dabei wird entweder das Unterschenkelplateau angehoben oder der vordere Rand des Unterschenkels weiter nach vorne gebracht. Diese Umstellungen der Knochen ersetzen die Aufgaben des Kreuzbandes.

Gerissenes Kreuzband beim Hund
Nach der Operation braucht dein Liebling viel Ruhe

Prognose: Die Lebensqualität deiner Fellnase nach der Operation

Die Prognose hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine rasche Diagnose und Behandlung sind dabei besonders wichtig.

Nach der Operation unterstützen Schmerzmittel und Knorpelaufbaupräparate deinen Liebling, um dem beschädigten Kniegelenk auf die Sprünge zu helfen.

Achte darauf, dass dein Hund nicht an Gewicht zunimmt. Vor allem in den ersten Wochen nach der Operation sind nur kurze Spaziergänge möglich. Passe die Futtermenge an die mangelnde Bewegung an.

In den ersten beiden Wochen sind meist nur kleine, ruhige Pipirunden mehrmals am Tag möglich. Dein Liebling sollte nicht länger als 5 bis 10 Minuten auf den Beinen sein. Diese Minirunden könnt ihr Woche für Woche ausdehnen. Ein gutes Ziel ist, dass ihr nach 6 Wochen 3-mal täglich Spazierrunden von 30 Minuten schafft. In dieser Zeit herrscht strenge Leinenpflicht und dein Liebling darf auf keinen Fall abrupte Bewegungen ausführen.

Damit deinem Vierbeiner nicht langweilig wird, solltet ihr auf jeden Fall gemeinsam Übungen fürs Köpfchen machen.

Eine Physiotherapie ist auf jeden Fall zu empfehlen. Schon nach einem Tag kann mit einer Kältetherapie begonnen werden, um Schwellung und Schmerzen des Knies zu behandeln. Einige Tage nach der Operation folgen sanfte Massagen und passive Bewegungsübungen. Dabei wird das Kniegelenk gebeugt und gestreckt. Nach einigen Wochen kann mit aktiven Bewegungsübungen begonnen werden: Bergauf laufen, Koordinationsübungen, Sitz-Steh-Übungen, Wendungen, gehen auf unterschiedlichen Böden (z.B. Sand) etc.: Alles was beim Muskelaufbau hilft.

Nach einigen Monaten belasten die meisten Hunde das Knie wieder so wie vorher und können ihr Hundeleben genießen.

Hatte dein Vierbeiner schon einmal einen Kreuzbandriss? Wie ist es ihm nach der Operation gegangen? Schreibe es gerne in die Kommentare!

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